Nico Lumma schreibt über Aggregatoren von Inhalten und die Frage, warum hierzulande alles geklaut wird, aber nicht gute Ideen wie die Huffington Post & Co:

Wir bauen doch hier alles nach, was in den USA populär ist, aber bei der Aggregation von Inhalten tun wir uns sehr schwer. Interessiert den deutschen Nutzer nicht, was die anderen so lesen und interessant finden?

Die Antwort ist nicht einfach zu finden. Finanzierungsmodelle sind sicher ein relevanter Punkt und hier tun wir uns in Deutschland generell schwer. Rivva wurde nur wiederbelebt, weil BMWi sich selbst ein innovatives Image verpassen musste. Yigg hatte ich schon vor Jahren verdrängt und wurde erst durch den Post erinnert. Abgesehen von der Tatsache, dass sie ja auch eher als freie Digg-Intrepretation gestartet sind, stellt sich die Frage, wer einen Dienst braucht, der die Inhalte nur aggregiert um die Lücken zwischen den Werbebannern zu füllen.

Darüber hinaus sieht es in Deutschland tatsächlich dünn aus im entdeckten Teil des Internets. Das Problem ist hier eher die von den Samwer-Brüdern eingeschleppte Mentalität, durch die Berlin gerade zur europäischen Startup-Metropole anschwillt. Man klaut ein erfolgreiches Konzept aus einem Land, in dem es tatsächliche Innovation im Internet gibt und baut dann eine billige Imitation, die keiner Braucht und deren einziges Ziel es ist, z.B. bei internationaler Expansion des Originals, aufgekauft zu werden. Das mag funktionieren, ist in der Gesamtheit aber eine Verschwendung von Ressourcen aller Art für etwas wertloses. Wie Patentkriege, aber die sind jetzt nicht das Thema. Wir beschweren uns, dass die gemeinen Chinesen unsere deutsche Ingenieursarbeit einfach klauen, aber auf der anderen Seite sind wir die Chinesen des Internets.

Es gibt hierzulande einfach sehr wenige Startups, die von ihrem Drang etwas bestimmtes zu schaffen getrieben werden. Die meisten spielen dieses Spiel, weil sie gerne übermorgen Milliardäre wären. Das ist schade, denn ersteres würde die Chancen für zweiteres wahrscheinlich deutlich erhöhen und uns gleichzeitig eine echte Startupszene schenken. Aber vielleicht wollen wir die auch einfach gar nicht, oder wir haben sie nicht verdient, weil wir eh immer nur nörgeln.

Aber was machen wir denn jetzt, um unsere Inhalte zu aggregieren? Wir haben schließlich keinen deutschen Huffpost-Klon und keine deutsche Flipboard-Kopie. Nun es gibt da ein junges, deutsches Startup, dass sich genau daran versucht. Es heißt QUOTE.fm und geht einen anderen Weg als die von Herrn Lumma genannten „Slashdot, Digg, Techmeme, Hacker News, Huffington Post, Flipboard, News.me, Buzzfeed“. Benutzer bewerben Artikel durch das herausstellen von Zitaten. Das funktioniert. Zwar anders und sicherlich nicht für alles, aber es funktioniert.

Nein, QUOTE.fm nicht der geforderte Aggregator für das deutsche Internet, dafür ist das Ganze noch zu klein und zu Jung. Vielleicht wird es das auch nie. Aber es funktioniert, die Seite ist am Netz, sie wird benutzt und sie fühlt sich für den Benutzer nicht an wie ein chinesisches Ersatzteil für eine echte Amerikanische Seite. Ich will hier keine Werbung machen, sondern QUOTE.fm mehr als lebendigen Beweis nehmen, dass es geht. Auch in Deutschland. Auch als Startup. Auch mit dem aggregieren von Inhalten.