Im Mai schrieb ich, warum bei mir die Spiegelreflex immer häufiger im Schrank bleibt. Vor zwei Wochen schaute ich mich noch einmal um, wie ich das Ganze angehen könnte. Die einzige Lösung für eine vorhandene Kamera wäre aktuell eine Eye-Fi-SD-Karte. Die hat neben 8GB Speicher auch noch ein WLAN-Modul eingebaut, dass die Bilder mehr oder weniger direkt dort hinlädt, wo ich sich weiterverarbeiten kann. Nach dem Lesen einiger Rezensionen kam ich zu dem Ergebnis, dass es wahrscheinlich nicht die richtige Lösung für mich ist.

Hauptsächlich habe ich aktuell ein Komfortproblem. Wobei das Wort »Problem« hier ein wenig übertrieben ist. Ich verliere ja keinen Menschen oder ein Bein. Aber es hält mich eben davon ab, spontan zu fotografieren. Außerdem möchte ich noch, dass meine Kamera speichert, wo das Bild aufgenommen wurde. Auch hierfür gibt es halb gare Lösungen. Eine App dafür habe ich in unserem ersten Podcast unter die Lupe genommen. Das funktioniert alles auch irgendwie, solange der Akku des Smartphones mitspielt, man hinterher Barcodes fotografiert und das ganze am Rechner durch eine App dreht. Aber Komfort geht doch irgendwie anders.

Nikon wirft den ersten Stein

Nikon Coolpix S800C

Ich will mir ja nichts auf die Fahnen schreiben und auch nicht in Größenwahn verfallen, aber offenbar haben die Kamerahersteller meinen Blogpost gelesen und reagiert. Den ersten Schritt hat Nikon vor einigen Tagen gemacht. Sie kündigten die Coolpix S800C an. Eine Kompaktkamera für $350 mit Android als Betriebssystem und einem großen Touchscreen auf der Rückseite. Leider mit einer uralten Android-Version. Trotzdem ist die Idee von Dropbox und unzähligen Kamera-Apps direkt auf der Kamera sehr verlockend. Direkt ein Bild teilen, egal ob auf Twitter, flickr, facebook oder Instagram, das wäre schon was. GPS ist natürlich auch vorhanden. Alles Andere wäre in so einem Gerät im Jahr 2012 natürlich völlig absurd.

Sony betritt den Ring mit der NEX-5R

Eine Woche später hält auch Sony es nicht mehr aus und wirft mir seine Lösung für mein Problem vor die Füße. Die NEX-5R ist eine spiegellose Kamera kommt mit Wechselobjektiv und soll bei den alteingesessenen Markbeherrschern mal die Spiegelreflexe überprüfen. Sonys Ansatz ist dabei ein ganz anderer. Die Kamera bekommt zwar ein WLAN-Modul spendiert, soll sich aber primär mit einem Telefon oder Tablet verbinden. Für diese Geräte gibt es dann spezielle Apps, die unabhängig von der Kamera entwickelt werden können. Die Kamera bleibt erstmal Kamera und ich verarbeite die Daten direkt unterwegs auf dem iPhone oder iPad.

Sony NEX-5R

Klingt erstmal eleganter. Vor allem sind diese Geräte auch online, wenn gerade kein Funknetzwerk in der Nähe ist. Außerdem scheint die Bildleistung der Sony-Kamera (warum sind Kameranamen eigentlich immer noch so kryptisch?) eher das zu sein, was ich suche. Auch der Preis von $650 für den Body und $750 für ein Set mit der 18-55mm Kit-Linse scheint ein recht aggressiv angesetzt zu sein. Leider hat Sony in Sachen GPS völlig versagt und vergessen einen entsprechenden Sensor in die Kamera zu löten, ansonsten können sich die technischen Daten durchaus sehen lassen. Wahrscheinlich soll das Telefon dann die Positionierung übernehmen. Das würde aber ja bedeuten, dass ich die beiden permanent gekoppelt habe und die Akkus im Parallelflug ausleere. Auch das ist nicht sonderlich elegant.

Samsung Galaxy Camera

Gestern hat sich dann auch Samsung angeschickt, mir eine neue Kamera darzubieten. Die Samsung Galaxy Camera (das ist doch mal ein Name) geht den gleichen Weg wie Nikon. Nur weiter. Statt einem kümmerlichen Android 2.3 von anno dazumal zeigt Samsung, was sie von Apple bei Android gelernt haben. Das aktuelle, butterweiche Android 4.1 »Jelly Bean«, ein 4,8”-zölliger Touchscreen auf der Rückseite und die Möglichkeit 3G und 4G Mobilfunknetze zu nutzen. Technisch klingt das schon mal sehr verlockend, nur zum GPS-Chip habe ich nichts gefunden. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass Samsung bei einer so saftigen Ausstattung das Geotagging vergisst.

Samsung Galaxy Camera

Ich bin gespannt auf die ersten Testberichte und vor allem auf die Fotos, die aus den kleinen Knipsen herauskommen. Die Sony scheint am ehesten in die Richtung zu gehen, die ich gerne hätte, leider disqualifiziert sie sich kurz vor der Ziellinie. Jedenfalls scheint man bei den Kameraherstellern aufzuwachen. Am liebsten wäre mir persönlich, wenn Canon eine Vollformats-DSLR auf den Markt brächte, die eine ähnliche technische Ausstattung bietet wie die Samsung-Kiste, oder ein entsprechendes Update für die EOS M. Aber da muss ich wohl noch ein wenig warten.

Vielleicht sind wir ja in noch mal 4 Monaten dichter an dem, was ich mir eigentlich wünsche.