Sehr geehrter Herr Friedrich, sehr geehrter Herr Heveling,

zum wiederholten Male lese ich in Ihren Ansammlungen wirrer Internetmißverständnisse das Wort »Netzgemeinde«. Die Netzgemeinde habe irgendwelche Kämpfe verloren, die Netzgemeinde nutze Wildwest-Methoden.

In der naiven Annahme, dass wenigstens Sie den Unfug verstehen, den Sie da veröffentlichen, würde ich mir von Ihnen wünschen, diese »Netzgemeinde« doch einmal zu definieren, die in Ihren Augen sittenlos daherkommt. Vermutlich meinen Sie ja nicht jeden der 95% Bewohner unseres Landes zwischen 14 und 29 Jahren, der Teil des Internets ist.

Offensichtlich ist man aber automatisch Teilmenge dieser »Netzgemeinde«, sobald man im Administrationsbereich von Herrn Hevelings Website den Bestandsunfug durch neuen Unfug ersetzt hat. Das wiederum beruhigt mich ein wenig. Denn obwohl ich die Zugangsdaten bei Twitter sah, entschied ich mich dagegen, sie auch nur auszuprobieren. Damit bin ich mir aber weiterhin nicht sicher, ob Sie mich als Teil der Netzgemeinde sehen, oder nicht.

Herr Bundesinnenminister, Sie haben absolut Recht. Wir brauchen Spielregeln für den Umgang miteinander. Die polemische und sachfremde Argumentation von Herrn Heveling hilft bei der Findung genau so wenig, wie das Echo, dass er auf seiner Website erfahren hat. Durch die Art und Weise, wie diese Diskussion begonnen wurde, war es aber auch klar, dass Herr Heveling so etwas provozieren wollte. Schließlich hat er einen »Honeypot« – wie man das in der Welt der Softwareentwicklung bezeichnen würde – ausgelegt. Anders ist es für mich nicht zu erklären, dass er seinen Vor- und Nachnamen als Benutzername und Passwort für die eigene Seite verwendet. Schließlich ist die Vermittlung von Medienkompetenz ein Schwerpunktthema der christlich-liberalen Koalition und die Wahl eines sicheren Zugangs sollte in Sachen Medienkompetenz eine der ersten Lektionen sein. Aber selbst wenn dies doch ein Zeichen mangelnder Medienkompetenz ist, ist allein durch die Art und Weise, wie Herr Heveling in seinem Gastbeitrag lospolterte, jegliche sinnvolle Diskussion im Keim erstickt worden (Neben der Ausstehenden Antwort auf die Frage, warum man ohne Kompetenz in einem Sachgebiet große Reden schwingt. Das ist schließlich einzig und allein Reiner Calmund zuzugestehen). Aber das soll nun gar nicht mein Thema sein.

Mich würde nach wie vor einfach interessieren, wen Sie nun über den Kamm der »Netzgemeinde« scheren. Gehöre ich nun dazu, weil ich Twitter nutze und hier einen Blog führe, oder gehöre ich nicht dazu, weil mich die Website von Herrn Heveling genau so wenig interessiert wie der Wilde Westen? Sollte ersteres der Fall sein, würde mich interessieren, ob Sie damit auch die Bundeskanzlerin als Teil der »Netzgemeinde« sehen. Frau Merkel hat schließlich einen Podcast, diskutiert auf Twitter und nutzt sogar dieses YouTube, welches durch seine Urheberrechtsverletzungen quasi allein die Schuld am Untergang des Abendlandes trägt. Wo fängt hier die Mitgliedschaft in der latent terroristisch veranlagten Gruppe der »Netzgemeinde« an und wo hört die normale Nutzung eines Mediums auf?

Vielleicht ist es für Sie als Mitglieder einer religiös-geprägten Partei aber auch einfach nicht so leicht einzusehen, dass sich nicht alle Menschen gleich in einer Gemeinde versammeln. Das Internet ist eine Folge technischen Fortschritts, wie das Auto oder die Dampfmaschine zuvor. Daher wäre es jetzt an der Zeit, viele Gesetze, gesellschaftliche Normen und Wünsche der Bürger auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls anzupassen um für die Zukunft und den technischen Fortschritt gut vorbereitet zu sein. Verbote und das Aufführen wie ein Elefant im Porzellanladen haben in der Vergangenheit nie zu nachhaltigen Lösungen geführt. Vielleicht vom Wilden Westen abgesehen.

Technischer Fortschritt lässt sich nicht von Kleingeistern Aufhalten, die ihn nicht verstehen. Er lässt sich aber beeinflussen und in einem gewissen Rahmen und durch vernünftige Maßnahmen steuern. Porzellan zu zerschlagen und das letzte bisschen Verständnis, dass sie als Politiker vom bundesdeutschen Durchschnittsinternetnutzer noch bekommen, so einfach zu verspielen, scheint mir keine solche Maßnahme zu sein. Dabei auch noch auf irgendwelchen Kunstwörtern herum zu prügeln, die die Abwesenheit von Medienkompetenz noch unterstreichen, ebenso wenig.

Mittelfreundliche Grüße,
Andreas Dantz