Warum werden 2012 noch Digitalkameras veröffentlicht, die kein GPS integriert haben? Ich habe keine Ahnung! Ich möchte doch wissen, wo ich meine Bilder aufgenommen habe. Ich möchte meine ganzen Bilder auf einer Karte verteilt sehen und so Bilder aus der Vergangenheit wieder entdecken.

Offenbar stellt das aber viele Hersteller vor unlösbare Probleme. Auch Fuji schafft es in meiner X-E1 nicht einen GPS-Empfänger einzubauen. Also musste ich improvisieren. Als Bonus suche ich noch einen Ersatz für das WLAN-Modul, dass ich in der neuen 6D bei Canon verpasse, aber das ist nebensächlich

Es gibt für alles eine App.

gps4cam

Ich habe schon in unserer ersten Folge von Vier Themen gps4cam vorgestellt. Das Interface ist genau so wie es der Name vermuten lässt. Die App läuft dann auf dem Telefon und speichert permanent die Position. Am Ende einer Fotosession codiert sie die ganzen Informationen in QR-Codes, die dann ebenfalls abfotografiert werden.

Auf dem Mac gibt es dann einen kleines Programm, dass die Bilder beim Import mit den Positionsdaten versieht, die in dem QR-Code gespeichert sind. Klingt wackelig, hat bei meinen Tests aber zuverlässig funktioniert. Ein Knackpunkt ist aber, dass das natürlich den Akku des Telefons frisst. Nicht nur bei einer längeren Tour in einer fremden Stadt keine gute Idee.

Eye-Fi

Eine Eye-Fi SD-Karte steht angelehnt an ihre Hülle auf meinem Schreibtisch

Ein ganz anderer Ansatz, der mich aus technischer Sicht immer noch fasziniert, weil er für mich ziemlich abwegig ist. Ein Wifi-Modul in einer SD-Karte. Man stelle sich mal das Meeting vor, in dem jemand vorschlug WLAN in eine Kamera zu bringen indem ein Funkmodul neben dem Speicher in eine SD-Karte gepresst wird. Da war ziemlich sicher Alkohol im Spiel.

Aber neben der Direktübertragung der Bilder auf Rechner, Telefon oder Tablet kann speichert die kleine Karte auch die Funknetze, die bei der Aufnahme in der Nähe waren. Am Rechner werden diese mit einer Datenbank abgeglichen und positioniert. Klingt doch gut, also habe ich zugeschlagen.

Aber aufpassen, es gibt die Eye-Fi von SanDisk, welche erstmal vertrauenswürdiger aussieht, als die ursprüngliche Eye-Fi. Aber für ca. 10€ mehr gibt es die Eye-Fi Pro X2. Die ist etwas schnelleren Speicher hat und sie überträgt auch die RAW-Dateien per WLAN.

Die Software sieht leider aus, als wäre sie für fünfjährige gemacht. Außerdem funktioniert die Registrierung eines Eye-Fi-Accounts manchmal nicht. Nach einem Anruf beim Support war die Lösung einfach einen anderen USB-Port am gleichen Rechner zu benutzen. Logisch.

Wenn dann aber erstmal alles läuft, läuft es auch. Einige Funktionen müssen aber kostenpflichtig freigeschaltet werden. Dazu gehört die Geopositionierung genauso wie eine Flatrate für alle Partnerhotspots weltweit.

Größere Auswirkungen auf die Akkulaufzeit kann ich nicht feststellen. Die Bilder landen – je nach Einstellung – automatisch auf dem Rechner oder auf iPhone oder iPad. Bei den iOS-Geräten sogar per Direktverbindung. Die RAW-Dateien müssen vor dem Import in Lightroom oder Aperture erst einmal durch die Eye-Fi-Software um die Positionsdaten zu erhalten, das passiert bei der Übertragung per WLAN aber von selbst. Die Genauigkeit ist verblüffend. Selbst auf einer Weserbrücke stehend, gab es keine Probleme. Beim Fotografieren in der freien Wildbahn wird es mit den Funknetzwerken natürlich etwas schwierig. Aber selbst beim Fotografieren im Industriehafen waren die Positionen nicht ungenauer als sie mit einer iPhone-App wären.

Leider können die Bilder immer nur zu einem Gerät zur Zeit gesendet werden. Ich würde gerne RAW zum Rechner und JPG zum iPad senden. Das ist aber leider nicht drin. Außerdem gibt es die Eye-Fi aktuell nur bis zu einer Kapazität von 8GB und von der Geschwindigkeit kann sie es auch nicht mit aktuellen SD-Karten aufnehmen. Für einen Urlaubstag können 8GB dann doch schnell knapp werden und ich will nicht die ganze zeit mit dem schlechten Gefühl rumlaufen, dass mein Film gleich voll ist.

GPS-Logger

Der etwas mehr als streichholzschachtelgroße Wintec liegt auf meinem Schreibtisch

Die nächste Variante ist ein dedizierter GPS-Logger. Nach kurzer Recherche legte ich mir den Wintec WBT 202 zu. In seiner Preisklasse ist er wohl mehr oder weniger der Akku-Dauerläufer und ich möchte mir bei Städtetouren genauso wenig Gedanken zum Akku des Loggers machen, wie über die Kapazität der Karte. Ich will den Kleinen morgens einschalten und abends ausschalten und dazwischen alle 5 Sekunden eine Position auf die mitgelieferte Micro-SD-Karte geschrieben bekommen. Genau das tut der Wintec. Die Verarbeitung ist allerdings mehr als traurig. Beim ersten Öffnen der Akkuabdeckung ist diese gleich eingerissen, weil das öffnen mehr Druck braucht, als das Material aushält. Da ich aber davon ausgehe, den Deckel nie wieder öffnen zu müssen, lebe ich jetzt damit.

Am Rechner nutze ich HoudahGeo 3 um die aufgenommenen RAW-Dateien aus der X-E1 mit den Koordinaten aus dem Wintec Plastikmüll zu kombinieren, bevor sie ihren Weg in Lightroom finden.

Screenshot der Aufbereitungsansicht in HoudahGeo 3

Der Vorzug dieser Lösung im Vergleich zu den anderen Beiden ist, dass ich schnelle SD-Karten nutzen kann und den Akku in meinem Handy schone. Wenn ich den Logger doch mal vergesse, kann ich mit MotionX GPS auf dem iPhone ebenfalls Positionsdaten erzeugen, die Houdah importiert.

SD-Kartenleser fürs iPad

Das Lighting-SD-Karten-Kabel liegt auf meinem Schreibtisch

Wenn ich nun mit dem GPS-Logger-Setup unterwegs bin und trotzdem mal schnell ein Bild auf dem iPad bearbeiten oder versenden möchte, nutze ich dafür den Lightning to SD Card Camera Reader von Apple. Das funktioniert gut und bisher auch völlig problemlos.

Ergo

Alles in Allem ist das Ganze natürlich unnötig kompliziert, aber es dauert wohl noch ein paar Jahre, bis alle Groschen bei allen Kameraherstellern gefallen sind. Bis dahin werde ich mich mit dem GPS-Logger wohl über Wasser halten und zu bestimmten Anlässen auch die Eye-Fi noch mal einlegen. Ich freue mich aber auch über weitere Vereinfachungsvorschläge des Ablaufs.