Thomas Schaaf auf dem Trainingsplatz

Werder Bremen ist ein besonderer Verein und hat eine besonderes Verhältnis zu seinen Trainern. Die erste Hälfte meines Lebens war Otto Rehhagel Trainer in Bremen. Das war so selbstverständlich wie die Tatsache, dass das Land von einem Birnenförmigen Mann regiert wird.

Die Zweite Hälfte war Thomas Schaaf Trainer im Weserstadion und verantwortlich für schnellen, offensiven Fußball, der die ganze Bundesliga begeistert hat. Pokalsiege und das Double folgten, regelmäßige Teilnahme am lukrativen internationalen Geschäft. Man kann also sagen, ich habe in fast 30 Jahren in Bremen zwei Trainer gesehen.

Zugegeben dazwischen gab es eine Phase in der 27 Trainer mit durchschnittlichen Amtszeiten von ca. 5 Minuten die Mannschaft aufstellten, aber das vernachlässige ich an dieser Stelle mal.

In den letzten Jahren ist Herrn Schaaf sein Ruf, gut mit Problemspielern klar zu kommen, zum Verhängnis geworden. Klausimausi kaufte einfach alles, was wegen Skandalen und Querelen irgendwo aussortiert wurde und war und warf es dem Trainer vor die Füße. Keine Sensationstransfers, bei denen gegelte Talente für Drei Mark Fünfzig aus einem Peruanischen Bergdorf transferiert wurden.

Von außen betrachtet schien dies zunehmend keine Mannschaft mehr zur Folge zu haben, sondern eine Ansammlung von Intellektuellen. Als Klausimausi sah, was er angerichtet hatte, flüchtete er über Nacht aus Bremen um in Wolfsburg sportliches und finanzielles Asyl zu suchen.

Im Ergebnis ging es sportlich die letzten drei Jahre stark bergab und dabei kamen leider auch ein paar Schwächen von Herrn Schaaf deutlicher zum Vorschein. Die Spielweise von Werder war zunehmend berechenbar, ein Abwehrverhalten war im Prinzip über die 14 Jahre nicht vorhanden und er litt an einer starken Systemwechselallergie. Das alles fällt im Erfolg nicht ins Gewicht, im Abstiegskampf aber um so mehr.

Leider mussten wir in diesem Jahr 31. Spieltage warten, bis eine Mannschaft auf dem Platz stand. Daran kann man dem Trainer sicher eine Mitschuld geben. Außerdem war er sicher auch in die Personalplanung involviert. Von daher ist jetzt, wo der Kader ohnehin zerfällt, weil er nur zusammengeliehen ist, der beste Zeitpunkt für einen Neuanfang.

Ich wünsche Thomas Schaaf alles Gute und danke ihm für elf sensationelle Fußballjahre und drei weitere in denen er sich das Sitzfleisch aufgerissen hat. Ich bin zuversichtlich, dass der Verein nicht die gleichen Fehler macht wie nach Rehhagel und warte gespannt auf die neue Saison.

Photo: Benjamin Radzun